Europäische Banken: Gewinne liegen über den Erwartungen und treiben Erträge und Bewertungen in die Höhe
In der vergangenen Woche wurden erneut erfreuliche Quartalsergebnisse für den europäischen Bankensektor bekannt gegeben. Im ersten Quartal 2024 lagen die gemeldeten Gewinne im Durchschnitt ca. 10% über den Konsenserwartungen. Dank des unverändert günstigen Risikoumfelds waren die Rückstellungsquoten weiterhin niedrig. Aber auch die Gewinne vor Rückstellungen lagen um solide 5% über den Markterwartungen, da die Margen der Banken weiterhin von dem günstigeren Zinsumfeld profitieren und es erste Anzeichen für eine bessere Dynamik bei den zinsunabhängigen Erträgen gibt. Der europäische Bankensektor ist in sein viertes Jahr mit einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung gestartet (>10% im Vergleich zum breiteren europäischen Markt seit Jahresbeginn), aber wir glauben, dass mittelfristig noch mehr zu erwarten ist, da die Gewinne weiterhin nach oben korrigiert werden. Der relative und absolute Abschlag ist gegenüber früheren Entwicklungen trotz der besseren Fundamentaldaten immer noch hoch. Auch die Renditen sind nach wie vor attraktiv (ca. 7,0% Barrendite mit Rückkäufen im Wert von zusätzlichen 3-4%).



US-Banken: Diskussion über Kapitalpuffer
Nach monatelangem heftigem Widerstand der Branche und Diskussionen unter den US-Bankenaufsichtsbehörden über den ursprünglichen Vorschlag für die Basel-3-Endgame-Eigenkapitalvorschriften planen die Aufsichtsbehörden jüngsten Berichten zufolge, die Höhe der Kapitalpuffer, die Grossbanken zur Absicherung gegen potenzielle Verluste vorhalten müssen, deutlich zu verringern. Anfängliche Schätzungen gingen davon aus, dass sie ihr Eigenkapital insgesamt um etwa 20% aufstocken müssen. Inzwischen rechnet man damit, dass es im Durchschnitt nur noch halb so viel sein wird. Auch wenn die endgültigen Änderungen und der Zeitplan noch nicht in Stein gemeisselt sind, kommt diese Entwicklung den Banken zugute und könnte im Laufe der Zeit zu höheren Kapitalerträgen für die Aktionäre führen als erwartet.

Der Drahtseilakt bei den Zöllen: Strategische Massnahme oder taktischer Schachzug
Die USA haben unlängst Importzölle auf Chinas Wachstumsindustrien erhoben, darunter einen 100-prozentigen Zoll (statt bisher 25%) auf chinesische Elektrofahrzeuge. Ausserdem wurden die Zölle auf andere Schlüsseltechnologien wie Halbleiter, Solar und Batterien erhöht. Dieser Schritt erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem die USA die so genannten chinesischen „Überkapazitäten“ bei umweltfreundlichen Produkten anpreisen. Er wirft neue Herausforderungen und Fragen auf und sorgt für eine höhere Volatilität bei den Aktien der entsprechenden Elektrofahrzeughersteller.
China besitzt den grössten Automobilmarkt der Welt, sowohl in Bezug auf die Nachfrage als auch auf das Angebot. Mit etwa 29 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2023 bei einer weltweiten Produktion von mehr als 90 Millionen Fahrzeugen liegt sein Marktanteil bei ca. 30%. Auch bei den Automobilexporten steht China sowohl mengen- als auch wertmässig an erster Stelle. 2023 wurden 5,2 Millionen Fahrzeuge exportiert, was 1,2% der weltweiten Exporte Chinas entspricht.
Man könnte diesen Schritt durchaus als defensiv bezeichnen, da Chinas verarbeitendes Gewerbe weitaus wettbewerbsfähiger ist als das der USA. Unserer Meinung nach wird damit jedoch eher ein politisches Ziel verfolgt, da Biden den Eindruck erwecken will, dass er gegenüber China entschiedener und klüger auftritt als der ehemalige Präsident Donald Trump. Biden will verhindern, dass die USA mit in China hergestellten Autos überflutet werden, aber die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Auswirkungen auf den amerikanischen Markt vernachlässigbar sind: Von insgesamt 1,4 Millionen verkauften E-Fahrzeugen in den USA im Jahr 2023 stammten lediglich 20.000 Fahrzeuge von chinesischen Automobilherstellern.
Die US-Zölle haben also im Grunde nur symbolischen Charakter, da sie nur 1,4% des Marktes betreffen. Trotzdem stellt sich nun die Frage, ob Europa mit eigenen Zöllen nachziehen wird. Chinesische Hersteller haben in Europa im Jahr 2023 mehr als 180.000 E-Fahrzeuge verkauft, was ca. 9% des europäischen Marktes für Elektrofahrzeuge entspricht. Das ist mehr als in den USA, wodurch chinesische Autos teurer werden und das Angebot an erschwinglichen E-Fahrzeugen für Europäer eingeschränkt wird. Entscheidend ist, dass ein potenziell höherer Zoll mit einem regulatorischen Vorstoss zur Steigerung der Produktion von E-Fahrzeugen einhergeht, einschliesslich der Zielvorgaben für die Elektrifizierung von Firmenwagenflotten bis 2030 – zusätzlich zum vereinbarten Ziel, dass ab 2035 nur noch Neuwagen verkauft werden dürfen, die keine Treibhausgase ausstossen. Darüber hinaus sollten die Europäer bedenken, dass auch Investitionen in Lithium-Ionen-Batterien gefährdet wären, da in China hergestellte Zellen mindestens 20% billiger sind als europäische und chinesische Batteriehersteller in Bezug auf Technologie und Lieferketten die Nase vorn haben. Diesbezüglich fördern die USA die inländische Batterieproduktion durch grosszügige Subventionen über den Inflation Reduction Act (IRA), was die Sicherheit der Lieferkette erhöht.

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