Marktmeinungen · Globale Anleihen

Global Credit Bullets | Montag, 15. Juni 2026

Die Eskalation der vergangenen Woche nahm eine entscheidende Wende in Richtung einer Einigung. In der vergangenen Woche hat die EZB ihren Leitzins wie erwartet um 25 Basispunkte auf 2,25 % erhöht. Die neuen Stabsprognosen deuten auf ein schwierigeres makroökonomisches Umfeld hin: die Inflation wird höher und das Wachstum schwächer ausfallen als noch im März prognostiziert. Diese Woche beginnt eine neue Ära für die Federal Reserve, denn Kevin Warsh wird seine erste Sitzung als Chef der US-Notenbank leiten. Da die Gesamtinflation weiterhin bei über 4 % und die Kern-PCE-Inflation bei 3,3 % liegt, gibt es zum jetzigen Zeitpunkt kaum Spielraum für Zinssenkungen.
15. Juni 2026
Iran14 Punkte der Einigung

Die Eskalation der vergangenen Woche nahm eine entscheidende Wende in Richtung einer Einigung. Nach tagelangen Raketenstarts, Drohnenangriffen und erneuten Drohungen von Präsident Trump zeigten sich die Märkte relativ widerstandsfähig und werteten den Grossteil der Rhetorik eher als Lärm denn als Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Militäraktion. Der Wendepunkt kam am Donnerstag, kurz vor dem Börsengang von SpaceX, als Trump verkündete, dass das Vereinbarungsprotokoll angenommen worden sei. Später berichteten lokale iranische Medien, dass die 14-Punkte-Vereinbarung von beiden Seiten gebilligt worden sei, einschliesslich des iranischen Wiederaufbaugesetzes und der Freigabe eingefrorener Gelder. Verbindliche Formulierungen zu Raketen oder zum Atomprogramm fehlen jedoch offenbar. Das Abkommen sieht daher weniger nach einem klaren Sieg der USA aus, sondern eher nach einem Rückschlag für Washington, das offenbar in mehreren heiklen Punkten Zugeständnisse gemacht hat – im Austausch für eine Deeskalation und die Wiederöffnung der Strasse von Hormus. Da der Ölpreis neue Tiefststände erreicht hat, sind den Märkten keine Grenzen gesetzt.

EZB – Zinserhöhung ohne klaren Ausblick

In der vergangenen Woche hat die EZB ihren Leitzins wie erwartet um 25 Basispunkte auf 2,25 % erhöht. Die neuen Stabsprognosen deuten auf ein schwierigeres makroökonomisches Umfeld hin: die Inflation wird höher und das Wachstum schwächer ausfallen als noch im März prognostiziert. Insbesondere wurde die Kerninflation für 2026 um 20 Basispunkte auf 2,5 % und für 2027 um 30 Basispunkte auf ebenfalls 2,5 % nach oben korrigiert. Während der Pressekonferenz schlug Präsidentin Lagarde einen ausgewogenen Ton an und vermied es, den Märkten explizite Hinweise auf die nächsten Schritte zu geben. Die Verschiebung des geldpolitischen Kurses in Verbindung mit dem Fehlen eines klaren Signals für die Zukunft schwächte jedoch die Argumente für eine Zinserhöhung im Juli. Nachfolgende Äusserungen von EZB-Vertretern deuteten jedoch darauf hin, dass eine Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung weiterhin im Raum steht und keine Option ausgeschlossen werden kann. Eine zweite Zinserhöhung in Folge würde ein starkes Signal für das Engagement der EZB im Kampf gegen die Inflation senden. Gleichzeitig könnten dadurch jedoch auch Bedenken hinsichtlich des Wachstums aufkommen, zumal Konjunkturindikatoren in ganz Europa eher Anzeichen einer Verschlechterung als einer Beschleunigung zeigen.

FedWarsh übernimmt den Vorsitz

Diese Woche beginnt eine neue Ära für die Federal Reserve, denn Kevin Warsh wird seine erste Sitzung als Chef der US-Notenbank leiten. Da die Gesamtinflation weiterhin bei über 4 % und die Kern-PCE-Inflation bei 3,3 % liegt, gibt es zum jetzigen Zeitpunkt kaum Spielraum für Zinssenkungen. Der Fokus wird daher vor allem auf der Kommunikation liegen. Zwar wird eine Pressekonferenz erwartet, doch hinsichtlich des künftigen Kurses der Prognosen und der allgemeinen Ausrichtung der Politik bleibt Unsicherheit bestehen. Der Dot Plot diente den Märkten lange Zeit als Anker, doch könnte man auch argumentieren, dass er die Fed gelegentlich eingeschränkt hat, indem er sie zwang, ihrer eigenen Forward Guidance allzu streng zu folgen. Unter Warsh werden die Anleger das Gleichgewicht zwischen geldpolitischer Orthodoxie und einer möglichen Abstimmung mit dem US-Finanzministerium genau beobachten. Angesichts von Risikoanlagen auf Allzeithochs und einer nach wie vor robusten Konjunktur steht Warsh vor einer schwierigen Aufgabe: der Steuerung der Kommunikation, der Konsensbildung innerhalb des Ausschusses und der Reaktion auf steigende Inflationserwartungen. In diesem Umfeld wird die Geldpolitik bereits real gelockert, allein dadurch, dass keine Zinserhöhungen vorgenommen werden.

Algebris Investments’ Global Credit Team

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