Zentralbanken – Das Ende der Forward Guidance
Zentralbanken rücken zunehmend von klarer Forward Guidance ab. Warshs Auftritt beim EZB-Forum für Zentralbankwesen in Sintra hat diesen Wandel unterstrichen. Angesichts weiterhin hoher Unsicherheit bei Wachstum, Inflation und Arbeitsmarktdynamik sind die Währungshüter immer weniger bereit, sich im Voraus auf einen klaren geldpolitischen Pfad festzulegen. Für die EZB und die Bank of England lautet die Botschaft: bewusste Ambiguität. Beide Institutionen halten sich alle Optionen offen und versuchen zu verhindern, dass die Märkte einzelne Formulierungen als vorweggenommene Entscheidung interpretieren. Die Fed steht hingegen vor einer komplexeren Kommunikationsaufgabe. Unter Fed-Chef Warsh könnte die Juli-Sitzung einen internen Konflikt darüber offenlegen, ob die Zinsen angehoben werden sollten. In Sintra verweigerte Warsh ausdrücklich jede Guidance und liess die Märkte damit im Unklaren über die Reaktionsfunktion der neu geführten Fed. Dies markiert einen klaren Bruch mit dem stärker gesteuerten Kommunikationsstil früherer Zyklen. Die Fed versucht nicht mehr, den Märkten den Weg zu ebnen.
Fed – Zinserhöhung im Sommer auf dem Prüfstand
Die Argumente für eine Zinserhöhung der Fed im Sommer haben an Gewicht verloren, sind aber nicht vollständig verschwunden. Die jüngsten Arbeitsmarktdaten fielen schwächer aus als erwartet: die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft stieg nur um 57.000, während die Vormonate um 74.000 nach unten revidiert wurden. Das reichte aus, um den Druck am kurzen Ende der Zinskurve zu verringern und den Dollar etwas abzukühlen Die Details waren jedoch weniger taubenhaft, als es die Schlagzeile nahelegte. Die Arbeitslosenquote fiel auf 4,2 %, vermutlich begünstigt durch eine niedrigere Erwerbsbeteiligung, während Lohnwachstum und Inflationsdynamik weiterhin zentral für die Reaktionsfunktion der Fed bleiben. Der Bericht verringert die Dringlichkeit einer Zinserhöhung im Juli, beendet die Debatte aber nicht vollständig. Da eine Zinserhöhung im Juli inzwischen nur noch mit rund 20 % eingepreist ist, ist eine Pause zum Basisszenario des Marktes geworden – aber noch nicht zu einer ausgemachten Sache. Entscheidend ist, dass die Fed unter Warsh offenbar nicht bereit ist, die Markterwartungen im Voraus zu bestätigen. Damit bleibt die Juli-Sitzung offen, auch wenn die Hürde für eine Zinserhöhung gestiegen ist.
Algebris Investments’ Global Credit Team
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