Marktmeinungen · Globale Anleihen

Global Credit Bullets | Montag, 20. Juli 2026

Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten deuten darauf hin, dass das zuvor zwischen den USA und Iran vereinbarte „Memorandum of Understanding“ nicht mehr gilt. Allgemein wird erwartet, dass die EZB ihre Leitzinsen bei der Sitzung am Donnerstag unverändert lässt. Der Wahlzyklus 2027 wird politische Risiken wieder stärker in den Vordergrund rücken, insbesondere in Frankreich und Italien.
20. Juli 2026
Iran – Eskalation weitet sich auf den Golf aus

Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten deuten darauf hin, dass das zuvor zwischen den USA und Iran vereinbarte „Memorandum of Understanding“ nicht mehr gilt. Raketen- und Drohnenangriffe wurden wieder aufgenommen, während die Huthis drohen, den Konflikt auszuweiten, indem sie regionale Infrastruktur ins Visier nehmen und möglicherweise die Schifffahrt durch das Rote Meer stören.

Der Iran hat Strom- und Entsalzungsinfrastruktur in der Golfregion angegriffen, während die USA ihre Kampagne auf zentrale iranische Infrastruktur ausgeweitet haben. Die Ölpreise haben bereits reagiert: Sie sind innerhalb weniger Wochen um rund 20 % von ihren jüngsten Tiefständen gestiegen und liegen seit Jahresbeginn weiterhin rund 50 % höher. Dennoch bleiben sie deutlich unter den im März erreichten Höchstständen, obwohl der Verkehr durch die Strasse von Hormus nahezu auf null gefallen ist. Eine plötzliche Entscheidung Trumps, die Eskalation zu stoppen, bleibt möglich. Vorerst scheint der Konflikt jedoch in eine neue Phase einzutreten.

EZBUnverändert, Blick auf September

Allgemein wird erwartet, dass die EZB ihre Leitzinsen bei der Sitzung am Donnerstag unverändert lässt. Ein zuletzt günstigerer Inflationswert und nachlassender Inputpreisdruck haben die unmittelbare Notwendigkeit weiterer Straffung reduziert.

Die erneute Eskalation im Nahen Osten hat jedoch die Aufwärtsrisiken für die Inflation wieder erhöht. Die aktuellen Öl- und Gaspreise bewegen sich zwar weiterhin weitgehend innerhalb der Bandbreiten, die in den Basis- und Negativszenarien der EZB berücksichtigt werden. Eine länger anhaltende Störung der Energieversorgung würde die Märkte jedoch wahrscheinlich dazu veranlassen, eine höhere Wahrscheinlichkeit weiterer Straffung einzupreisen – insbesondere für die September-Sitzung. Für diese Sitzung wird derzeit eine Zinserhöhung mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 80 % erwartet. Angesichts der sehr dynamischen geopolitischen Lage und des unsicheren Gleichgewichts zwischen schwächerem Wachstum und höherer energiegetriebener Inflation wird die EZB jedoch voraussichtlich nur begrenzt Hinweise geben.

UK – Die Burnham-Ära beginnt

Andy Burnham wird voraussichtlich am Montag Premierminister und kann anschließend unverzüglich mit der Bildung seines Kabinetts beginnen. Auf seiner Agenda stehen voraussichtlich die Krise der Lebenshaltungskosten und die Umsetzung seines Programms „No. 1 North“, das auf regionale Investitionen, Dezentralisierung und wirtschaftliche Erneuerung ausgerichtet ist. Auch die Sozialpflege dürfte eine zentrale Rolle spielen.

Shabana Mahmood wird derzeit als voraussichtliche Finanzministerin gehandelt. Eine Herausforderung für die Märkte besteht jedoch darin, dass ihre wirtschaftspolitischen Ansichten bislang relativ unklar sind. Zwar hatte sie vor mehr als zehn Jahren kurzzeitig Positionen im Schatten-Finanzministerium inne, seither hatte sie jedoch keine wesentliche wirtschaftspolitische Zuständigkeit mehr.

Europa -Wahlen rücken in den Fokus

Der Wahlzyklus 2027 wird politische Risiken wieder stärker in den Vordergrund rücken, insbesondere in Frankreich und Italien. Frankreich geht mit begrenztem fiskalischem Spielraum in den Wahlkampf: Das Defizit dürfte über 5 % des BIP liegen, während sich die Staatsverschuldung 2027 der Marke von 120 % nähert. Italien startet dagegen aus einer kurzfristig stärkeren fiskalischen Position, da das Defizit voraussichtlich bei rund 3 % des BIP bleiben wird. Ob Investitionen und Wachstum aufrechterhalten werden können, sobald die EU-finanzierten Ausgaben nachlassen, wird sich zeigen, wenn die hohe Schuldenlast und das Auslaufen der Unterstützung aus dem Recovery Fund hinzukommen.

Algebris Investments’ Global Credit Team

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