EZB – Zinserhöhung im September rückt in den Fokus
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen in der vergangenen Woche, wie erwartet, unverändert belassen. Nachdem sich die Öl- und Gaspreise wieder weitgehend dem Basisszenario angenähert haben, sendete EZB-Präsidentin Christine Lagarde die von den Märkten erwarteten, moderat restriktiven Signale. Sie betonte, dass innerhalb des EZB-Rats durchaus Stimmen für eine sofortige Zinserhöhung vorhanden gewesen seien.
Gleichzeitig unterstrich sie erneut, dass künftige geldpolitische Entscheidungen ausschliesslich datenabhängig und von Sitzung zu Sitzung getroffen werden. Angesichts der sich dynamisch entwickelnden geopolitischen Lage im Nahen Osten bleibt die Unsicherheit hoch.
Die Finanzmärkte sehen derzeit den September als wahrscheinlichsten Zeitpunkt für den nächsten Zinsschritt. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung wird aktuell auf rund 90% geschätzt. Vor diesem Hintergrund erscheinen europäische Anleihen attraktiv bewertet, zumal der Markt bereits mehr als zwei weitere Zinserhöhungen innerhalb der kommenden zwölf Monate eingepreist hat.
Iran – Steigende Ölpreise, zunehmende Risiken
Die vergangene Woche war von einer deutlichen Verschärfung der Spannungen im Nahen Osten geprägt. Nachdem sich die Huthi-Rebellen während der Eskalation im März weitgehend zurückgehalten hatten, traten sie nun deutlich offensiver auf. Sie drohten mit einer Blockade der Meerenge Bab al-Mandab und griffen Tankschiffe mit Verbindungen zu Saudi-Arabien an.
Der Ölpreis stieg zwischenzeitlich wieder auf rund 100 US-Dollar je Barrel und löste einen erneuten Verkauf an den globalen Rentenmärkten aus. Bislang beschränkt sich die Marktreaktion jedoch überwiegend auf steigende Renditen, während eine breite Risikoaversion an den Aktien- und Kreditmärkten bislang ausgeblieben ist.
Sollten sich die geopolitischen Spannungen weiter verschärfen und die Energiepreise dauerhaft auf erhöhtem Niveau bleiben, würde dies insbesondere energieimportierende Staaten unter Druck setzen. Ägypten und die Türkei gelten als besonders anfällig, da höhere Energiekosten ihre Leistungsbilanzen zusätzlich belasten würden.
Innerhalb der Golfregion bleibt Bahrain besonders verwundbar. Eine länger anhaltende Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormus oder eine weitere Eskalation militärischer Auseinandersetzungen würde die ohnehin angespannte fiskalische und makroökonomische Lage zusätzlich verschärfen. Belastete Leistungsbilanzen könnten die Währungsreserven weiter unter Druck setzen und letztlich zusätzliche finanzielle Unterstützung durch die GCC-Staaten erforderlich machen.
Dennoch bleibt ein weiteres sogenanntes „TACO“-Szenario („Trump Always Chickens Out“) durchaus denkbar. Angesichts bereits hoher Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen dürfte ein weiterer Anstieg der Ölpreise in Verbindung mit einer anhaltenden Schwäche an den Aktienmärkten den politischen und finanziellen Druck auf eine Deeskalation erhöhen – ein Muster, das sich in früheren Marktstressphasen bereits mehrfach beobachten liess.
Fed – Geldpolitik von Sitzung zu Sitzung
Die Sitzung der US-Notenbank in dieser Woche zählt zu den am schwersten prognostizierbaren der vergangenen Jahre. Das Fehlen klarer Forward Guidance sowie widersprüchliche Signale einzelner FOMC-Mitglieder haben sowohl hinsichtlich der bevorstehenden Zinsentscheidung als auch des weiteren geldpolitischen Kurses erhebliche Unsicherheit geschaffen.
Klassische geldpolitische Modelle – darunter die Taylor-Regel – deuten weiterhin darauf hin, dass das aktuelle Zinsniveau angesichts des robusten nominalen Wirtschaftswachstums eigentlich höher liegen müsste. Zwar sorgten die jüngsten Inflations- und Arbeitsmarktdaten für eine gewisse Entspannung, dennoch preisen die Finanzmärkte weiterhin einen restriktiveren Zinspfad ein. Über die kommenden Sitzungen hinweg werden derzeit mehr als zwei zusätzliche Zinserhöhungen erwartet.
Neben der kurzfristigen Zinsentscheidung wird in den kommenden Monaten insbesondere die zukünftige Entwicklung der Bilanz der US-Notenbank im Mittelpunkt stehen. Kevin Warsh hat die Grösse der Notenbankbilanz in der Vergangenheit wiederholt kritisch beurteilt. Eine beschleunigte Bilanzverkürzung müsste jedoch mit grosser Umsicht erfolgen, da sie erhebliche Auswirkungen auf die Marktliquidität und die Stabilität der Finanzmärkte haben könnte.
Algebris Investments’ Global Credit Team
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