FED – Hawkischer Einstand, weniger Forward Guidance
In der vergangenen Woche beliess die Fed die Zinsen wie erwartet bei 3,50–3,75 %. Kevin Warsh lieferte einen soliden und glaubwürdigen ersten Auftritt ab. Doch die Kombination aus seinem Tonfall und den höheren Inflationsprognosen löste eine „hawkische“ Marktreaktion aus: die kurzfristigen Zinsen stiegen um mehr als 10 Basispunkte. Die Bedenken hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Fed nahmen nach der Pressekonferenz jedoch ab. Die langfristigen Zinsen legten zu, während die langfristigen Inflationserwartungen nachgaben. Dies wurde auch durch die Entwicklungen im Nahen Osten begünstigt. Dennoch scheinen für die Fed bedeutende Veränderungen in Vorbereitung zu sein. Die kürzere Erklärung könnte das erste Signal für eine umfassendere Neuausrichtung der Kommunikationsstrategie sein.
Warsh legte keinen „Dot Plot” vor und betonte, dass er möchte, dass die Märkte auf eingehende Daten und nicht auf die Reaktionsfunktion der Fed reagieren. Dies deutet auf einen neuen Ansatz in der Geldpolitik hin, bei dem das FOMC weniger an die Forward Guidance gebunden ist. Infolgedessen ist mit einer höheren Volatilität am kurzen Ende zu rechnen.
Grossbritannien – Starmer tritt zurück, das Rennen um die Parteiführung beginnt
Am vergangenen Donnerstag gewann Andy Burnham die mit Spannung erwartete Nachwahl in Makerfield, sicherte sich damit einen Sitz im britischen Unterhaus und erhöhte den Druck auf Keir Starmer weiter. Der politische Druck gipfelte schliesslich am Montagmorgen, als Starmer seinen Rücktritt ankündigte und signalisierte, dass die Labour-Partei noch vor September einen neuen Vorsitzenden haben werde. Die Reaktion der Märkte fiel sehr verhalten aus, da dieses Ergebnis erwartet worden war und die Anleger den Führungswechsel bereits eingepreist hatten. Nun stellt sich die entscheidende Frage, wer von Burnham, Miliband und Streeting die Nachfolge antreten wird – und noch wichtiger, ob der nächste Labour-Vorsitzende an der politischen Kontinuität festhalten und Rachel Reeves sowie die bestehenden Haushaltsregeln beibehalten oder zu einer lockereren Haushaltspolitik übergehen wird, die die Märkte verunsichern könnte. Der finanzpolitische Druck bleibt in jedem Szenario hoch – von den Energiesubventionen bis hin zu den Verteidigungsausgaben. Das bedeutet, dass zusätzliche Ausgaben entweder eine Anpassung der Haushaltsregeln oder eine erneute Steuererhöhung erfordern würden. Derzeit verläuft der Übergang geordnet. Doch sollte es Anzeichen für einen Bruch mit Reeves’ finanzpolitischem Rahmen geben, würde dies das Risiko bergen, dass britische Staatsanleihen und das Pfund Sterling wieder in den Fokus rücken. Vor diesem politischen Hintergrund liess die BoE die Zinsen letzte Woche wie erwartet unverändert und behielt ihre Leitlinien weitgehend bei. Sollten sich die Wirtschaftsdaten weiter verschlechtern und der Arbeitsmarkt schwach bleiben, wird die Bank zwischen zunehmender politischer Unsicherheit und nachlassender makroökonomischer Dynamik hin- und hergerissen sein.
Zentralbanken – Unterschiedliche Reaktionsmuster
Die Entscheidungen der Zentralbanken in der vergangenen Woche zeigten eine Welt, die sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegt. Brasilien senkte die Zinsen um 25 Basispunkte auf 14,25 Prozent und setzte damit seinen schrittweisen Lockerungszyklus fort. Die weiterhin sehr hohen Realzinsen bieten dafür Spielraum. Allerdings ist die BCB nicht völlig frei, eine expansive Geldpolitik zu verfolgen. Hartnäckige Inflationserwartungen, fiskalische Risiken und eine widerstandsfähige Wirtschaft bedeuten, dass der Lockerungszyklus wahrscheinlich vorsichtig und datenabhängig bleiben wird.
Japan schlug den entgegengesetzten Kurs ein. Die BoJ hob die Zinsen um 25 Basispunkte auf 1 % an, um ihren Normalisierungsprozess fortzusetzen. Der schwache Yen setzt die politischen Entscheidungsträger weiterhin unter Druck und Interventionen allein reichen nicht aus. Auch in anderen Teilen Asiens haben Indonesien und die Philippinen die Zinsen defensiv angehoben und damit nach den starken Währungsverlusten zu Beginn dieses Jahres eine weitere Schutzschicht gegen Währungsschwäche geschaffen. Insgesamt ist die Botschaft klar: Während einige Zentralbanken dank restriktiver Realzinsen die Zinsen noch immer senken können, sind andere gezwungen, die Geldpolitik zu straffen, um ihre Glaubwürdigkeit, ihre Währungen und die Inflationserwartungen zu verteidigen.
Algebris Investments’ Global Credit Team
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