Market Views · Global Credit

Global Credit Bullets | Montag, 8. Juni 2026

Die jüngsten Makrodaten haben die deutliche Divergenz zwischen den USA und dem Rest der Welt noch verstärkt. Während die Konjunkturindikatoren ausserhalb der USA weiterhin schwach ausfallen, zeigt die US-Wirtschaft Anzeichen von Widerstandsfähigkeit: das Wachstum ist nach wie vor solide und die Inflationsrisiken sind noch nicht vollständig eingedämmt. Diese Woche dürfte die EZB ihren Zinserhöhungszyklus mit einer Anhebung um 25 Basispunkte auf 2,25 % einleiten. Grund dafür ist die weiter verstärkte Inflationsgefahr. Während sich die Indikatoren für das Wachstum abschwächen, nähern sich die Energiepreise dem Negativszenario der EZB an.
8. Juni 2026
USA vs. Rest der Welt – Entgegengesetzte Entwicklungen

Die jüngsten Makrodaten haben die deutliche Divergenz zwischen den USA und dem Rest der Welt noch verstärkt. Während die Konjunkturindikatoren ausserhalb der USA weiterhin schwach ausfallen, zeigt die US-Wirtschaft Anzeichen von Widerstandsfähigkeit: das Wachstum ist nach wie vor solide und die Inflationsrisiken sind noch nicht vollständig eingedämmt. Dies hat die Märkte wieder in Richtung einer wachstumsorientierten, von Überhitzung geprägten Einschätzung getrieben. Die Positionierung spiegelt diesen Wandel zunehmend wider: Anleger tendieren zu Long-Positionen in US-Aktien, Rohstoffen, Anleihen und Carry-Trades, während sie ihre makroökonomische Einschätzung durch Short-Positionen in Zinsen zum Ausdruck bringen. Mit anderen Worten: der Markt beginnt, ein Szenario einzupreisen, in dem das Wachstum stark bleibt, sich Risikoanlagen weiterhin gut entwickeln und die Zentralbanken die finanziellen Bedingungen möglicherweise länger straffer halten müssen. Ausserhalb der USA ist der Straffungszyklus in den Marktpreisen bereits deutlicher zu erkennen, wobei von der EZB und anderen Zentralbanken ein Handeln erwartet wird. Die Fed bleibt jedoch das entscheidende fehlende Puzzleteil. Sollte sich die jüngste Stärke der US-Daten fortsetzen, könnte dies die derzeitige Markterwartung einer relativ zurückhaltenden Reaktionsweise der Fed infrage stellen und die designierte Fed-Vorsitzende Powell dazu zwingen, einen strengeren Ton anzuschlagen als von den Anlegern derzeit erwartet.

ECB – die Weichen sind gestellt

Diese Woche dürfte die EZB ihren Zinserhöhungszyklus mit einer Anhebung um 25 Basispunkte auf 2,25 % einleiten. Grund dafür ist die weiter verstärkte Inflationsgefahr. Während sich die Indikatoren für das Wachstum abschwächen, nähern sich die Energiepreise dem Negativszenario der EZB an. Die Märkte preisen bereits mehr als zwei Zinserhöhungen im Jahr 2026 ein. Obwohl es noch keine klaren Anzeichen für Zweitrundeneffekte gibt, ist die 12-Monats-Inflationserwartung der EZB auf 4,0 % gestiegen. Das Risiko hierbei ist ein politischer Fehler. Im Jahr 2022 handelte die EZB zu spät, im Jahr 2011 straffte sie die Geldpolitik zu früh. Angesichts des nach wie vor fragilen Wachstums und der zunehmenden Abwärtsrisiken für die Konjunktur wird das Gleichgewicht zwischen Inflationskontrolle und Vermeidung einer übermässigen Straffung entscheidend sein. Ein voller Terminkalender mit Zentralbanksitzungen in den kommenden Wochen dürfte mehr Klarheit darüber schaffen, wie die Entscheidungsträger vorgehen wollen.

Algebris Investments’ Global Credit Team

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