USA und China: kontrollierte Stabilität
Letzte Woche fand in Peking das lang erwartete Treffen zwischen Trump und Xi statt – der erste Besuch eines US-Präsidenten in China seit 2017. Die zentrale Botschaft des Treffens lautete „kontrollierte Stabilität”: beide Seiten signalisierten Kooperationsbereitschaft, während die meisten wichtigen Streitpunkte auf künftige Gespräche vertagt wurden. Der Iran war eines der Hauptthemen der Gespräche. Beide Seiten waren sich einig, dass die Strasse von Hormus offen bleiben sollte, wenngleich Chinas Haltung deutlich weniger interventionistisch war als die der USA. In keiner offiziellen Stellungnahme wurde auf eine konkrete Vereinbarung oder einen Durchbruch hingewiesen. Taiwan war ein weiteres zentrales Thema. Xi betonte die Bedeutung dieses Themas und warnte, dass eine falsche Handhabung der Taiwan-Frage die allgemeinen Beziehungen zwischen den USA und China ernsthaft gefährden könnte. Auch Technologie war wahrscheinlich Teil der Gespräche, zumal Präsident Trump von mehreren führenden CEOs der US-Techbranche begleitet wurde. In diesem Bereich scheint jedoch kein grösserer Durchbruch erzielt worden zu sein. Insgesamt hat das Treffen die kurzfristigen Tail-Risiken verringert, die zugrunde liegenden strategischen Spannungen zwischen den beiden Ländern jedoch nicht gelöst.
Grossbritannien – Schwierige Zeiten
Nach dem schlechten Abschneiden der Labour-Partei bei den Kommunalwahlen hat der Druck auf Sir Keir Starmer weiter zugenommen. Eine Anfechtung seiner Parteiführung scheint nun immer wahrscheinlicher. Am vergangenen Montag und Dienstag kam es zu einem starken Ausverkauf von britischen Staatsanleihen, da Befürchtungen aufkamen, Wes Streeting könnte eine Anfechtung einleiten. Letztlich trat dies jedoch nicht ein und die Märkte konnten kurzzeitig etwas aufatmen. Am Donnerstag flammten die Spannungen jedoch wieder auf, nachdem Andy Burnham, der Bürgermeister von Manchester, wieder ins Rampenlicht rückte. Da Burnham derzeit kein Abgeordneter ist, kann er keine direkte Herausforderung um die Parteiführung starten, es sei denn, er gewinnt zuvor eine Nachwahl. Die Märkte reagierten negativ auf die erneute politische Unsicherheit. Das Pfund gab nach, während britische Staatsanleihen wieder auf ihre jüngsten Tiefststände fielen. Die Rendite 30-jähriger Anleihen notierte mit knapp unter 5,8 % nahe dem höchsten Stand seit Jahrzehnten.
Die allgemeine Sorge ist, dass sich die Labour-Partei weiter nach links bewegen könnte. Aus Marktsicht gilt Burnham als eines der problematischeren Szenarien, da Investoren wahrscheinlich höhere Staatsausgaben, steigende Anleiheemissionen und eine geringere Wahrscheinlichkeit der vor den nächsten Parlamentswahlen erwarteten Haushaltskonsolidierung einpreisen würden.
Duration – Schluss mit der Schonbehandlung
Letzte Woche kehrte die fiskalische Dominanz als treibende Kraft an den globalen Anleihemärkten zurück. Grossbritannien führte diese Entwicklung an, doch der Druck griff rasch auf andere Industrieländer über. In den USA verkaufte das Finanzministerium erstmals seit Jahren 30-jährige Anleihen mit einer Rendite von über 5 %, während die Forward-Rate für 10y10y-Treasuries fast 6 % erreichte. In Japan stieg die Rendite 30-jähriger JGBs über 4 % und erreichte damit ein in der jüngeren Geschichte beispielloses Niveau. Dies spiegelt eine allgemeine Neubewertung von Anleihen mit langen Laufzeiten weltweit wider. Dabei unterscheiden die Märkte zunehmend zwischen Regierungen, die über fiskalischen Spielraum verfügen, und solchen, bei denen dies nicht der Fall ist. Die Kombination aus hoher Verschuldung, ohnehin schon hohen Haushaltsdefiziten und sich nach dem Schock im Nahen Osten verschlechternden Inflationsaussichten hat dazu geführt, dass Investoren weniger bereit sind, Regierungen den Vertrauensvorschuss zu gewähren. Da in den kommenden Monaten weiterhin mit Inflations-Sekundäreffekten zu rechnen ist und der US-Verbraucherpreisindex bereits bei 3,8 % liegt, reagieren die Märkte deutlich weniger tolerant auf Haushaltsabweichungen. Es gibt kaum noch Geduld für unverantwortliche Finanzpolitik und die Anleihemärkte beginnen, diese aggressiver zu bestrafen.
Algebris Investments’ Global Credit Team
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