Luftloch
Eine weitere Woche voller Schwankungen und Druck auf die französischen Spreads, die mittlerweile 175 Basispunkte erreicht haben. Die Haushaltslage Frankreichs lässt sich immer schwerer ignorieren, wie wir in unserem jüngsten Beitrag (À bout de souffle: What’s up with France) dargelegt haben. So erreichte das Haushaltsdefizit 2025 etwa 5,1 % des BIP, während die Staatsverschuldung auf 115,6 % des BIP stieg und bis 2027 voraussichtlich die 120-%-Marke überschreiten wird. Selbst bei einem Spread von 175 Basispunkten liegt das implizite Rating Frankreichs bei etwa BBB und damit fast vier Stufen unter seinem tatsächlichen Länderrating. Im Jahr 2022 führte die EZB das Transmission Protection Instrument (TPI) ein, als der Spread Italiens bei etwa 200 Basispunkten lag. Der Markt wurde dazu angeleitet, ein Niveau von etwa 250 Basispunkten als potenzielle Schwelle für eine Intervention anzusehen. Die Argumente für das TPI sind stichhaltig – nicht, um Frankreich vor den Folgen einer Verschlechterung der Haushaltslage zu schützen, sondern um ungeordnete Marktdynamiken zu verhindern und das Risiko einer Ansteckung sowie weiterreichender Ausstrahlungseffekte auf die Staatsanleihemärkte des Euroraums einzudämmen.
Wichtige Wahl steht bevor
Diese Woche findet in Israel eine für die Zukunft des Nahen Ostens entscheidende Wahl statt. Es wird ein äusserst knappes Rennen erwartet, da Netanjahus Koalition geschwächt ist und arabische Parteien als mögliche Königsmacher auftreten könnten. Die zentrale Frage ist, ob die Ära Netanjahu zu Ende geht und was ein Regierungswechsel für den Konflikt mit dem Iran bedeuten würde. Das wahrscheinlichste Ergebnis ist ein anhaltender politischer Stillstand, da aktuelle Umfragen nicht darauf hindeuten, dass einer der beiden Blöcke eine stabile Mehrheit erreichen wird. Sollte keine Koalition gebildet werden können, würde Netanjahu wahrscheinlich an der Spitze einer Übergangsregierung bleiben, wenngleich auch eine Minderheitsregierung der Opposition möglich ist. Ein klarer Sieg für eine der beiden Seiten ist nicht ausgeschlossen, doch beide Ergebnisse gelten als unwahrscheinlich.
Zentralbanken legen eine Pause ein
Obwohl sich die Konjunktur sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten weiterhin relativ widerstandsfähig zeigt, verringern die strafferen finanziellen Rahmenbedingungen den Druck auf die Zentralbanken, die Zinsen weiter anzuheben. In der vergangenen Woche dienten deutsche Bundesanleihen und US-Staatsanleihen den Marktteilnehmern als sichere Häfen. Sollten sich die Spreads der Peripherieländer weiter ausweiten – insbesondere infolge des Drucks auf französische Anleihen –, wäre die erste Reaktion der EZB wahrscheinlich eine Pause in ihrem Straffungszyklus. In den Vereinigten Staaten nehmen zudem die Bedenken hinsichtlich einer übermäßigen Verschuldung im Zusammenhang mit dem Investitionszyklus im Bereich der künstlichen Intelligenz zu. Der Markt geht mittlerweile weitgehend davon aus, dass die Fed im Oktober die Zinsen unverändert lassen wird. Die Aufmerksamkeit dürfte sich daher auf die Sitzung im Dezember als nächste potenzielle Gelegenheit für eine Zinserhöhung verlagern. Vor diesem Hintergrund ziehen wir ein Engagement in Duration gegenüber Hochzins-Spreads und breiter gefassten Risikoanlagen weiterhin vor.
Lulas Comeback
In einem überraschenden Comeback besiegte Präsident Lula Flávio Bolsonaro und sicherte sich damit eine vierte Amtszeit. Das Ergebnis überraschte die Märkte, da die Meinungsforscher den Stimmungsumschwung unter den desillusionierten Wählern, die sich letztendlich für den amtierenden Präsidenten entschieden, nicht erfasst hatten. Rechtsgerichtete Parteien behalten einen erheblichen Anteil der Sitze im Kongress, was die Zusammenarbeit zwischen Exekutive und Legislative erschwert. Eine starke Abwertung des brasilianischen Real in Verbindung mit langfristig höheren Zinsen dürfte das Wachstum belasten und die Schuldenentwicklung des Landes verschlechtern. Eine Haushaltskonsolidierung wird daher notwendig sein, deren Umfang und Zeitpunkt die Märkte genau beobachten werden. Zusätzliche Ausgabenverpflichtungen könnten die ohnehin schon fragile Haushaltslage weiter schwächen.
Algebris Investments‘ Global Credit Team
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